23/09/2026 0 Kommentare
Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? - Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert
Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? - Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert
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Wieso Kirche wagen, Mareike Mengel? - Nachwuchs-Pfarrerin in Eidinghausen-Dehme ordiniert
Ursprünglich wollte Mareike Mengel gar nicht in den Pfarrdienst gehen. Jetzt wurde die junge Pfarrerin doch vor fast 200 Wegbegleitern, Kollegen, Freunden und Freundinnen in der Kirche Eidinghausen ordiniert. Nicht nur steht sie selbst am Anfang ihrer Kirchenkarriere. Sie arbeitet auch dafür, andere Menschen für die Mitarbeit in einer Kirche zu gewinnen, die sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von Grund auf ändern wird. Zeit also zu fragen: Wieso Kirche wagen?
Obwohl sie erst ein gutes Jahr im Probedienst in Eidinghausen-Dehme ist, gehört sie irgendwie schon hier hin. Im ersten Gespräch im letzten Jahr hatte Mareike Mengel von der Hoffnung gesprochen, in ein vertrauensvolles Team hineinzufinden. Jetzt sitzt sie mitten in der Runde im Gemeindehaus, eine Tasse heiße Schokolade in der Hand, als wäre sie schon immer hier gewesen. Für das Gespräch hat sich die junge Pfarrerin viel Zeit genommen, immer wieder unterbrochen von einem kurzen Austausch mit den Menschen, die ein- und ausgehen. Es ist viel los im offenen Gemeindehaus an diesem Montagvormittag. Die meisten Besucher scheint sie schon sehr gut zu kennen.
Dabei ist Mareike Mengel nur zur Hälfte mit ihrem Probedienst in der Gemeinde Eidinghausen-Dehme verortet. Die andere Hälfte ihres Diensts gilt der Nachwuchsarbeit im „MachKirche“-Team der Landeskirche. Es ist nicht nur eine Aufgabe, für die die junge Pfarrerin offensichtlich brennt. Sie hat auch eine große Bewandtnis in ihrem eigenen Lebenslauf: Obwohl sie selbst aus einem Pfarr

haus stammt, wäre ein Lehramtsstudium ihre erste Wahl gewesen. Dass es letztlich doch der Schritt in den Pfarrberuf wurde, lag an der Abiturtagung der Landeskirche 2015. Die authentischen Berichte von Menschen in kirchlichen Berufen überzeugten sie, ganz ins Theologiestudium einzusteigen. Heute freut sich Mareike Mengel darüber, selbst bei der jährlichen Kompasstagung junge Menschen dafür zu begeistern, ihre Talente für kirchliche Berufe einzubringen.
Theologin mit Neugierde und Gesprächsbereitschaft
Den Dingen auf den Grund zu gehen und die Gespräche darüber mit anderen Menschen zu teilen: Das hätte sie auch als Lehrerin machen können, doch Mareike Mengel freut sich, dass im Theologiestudium dann doch noch mehr daraus wurde: „Ich wollte noch tiefer in die Theologie eintauchen.“ Einen Fuß hat sie dann doch in der Schule behalten, mit Workshops für den Religionsunterricht, in denen sie mit Schülerinnen und Schülern deren Talente erkundet und über Möglichkeiten spricht, diese in der Kirche wirken zu lassen.
Der Schwenk im Lebenslauf bedeutete auch viel Arbeit: ein Studium in Wuppertal und Leipzig, abgeschlossen in Münster. Ganz nebenbei Hebräisch in nur acht Wochen lernen, Auslandsexkursionen, schließlich das Vikariat in der Lydia-Gemeinde in Bielefeld, immer mit einem Fuß in der Nachwuchsarbeit. Trotz dieses vollen Pensums in Studium und Gemeindearbeit hat sie sich den Forscherinstinkt erhalten und will weiter über Fragen des interreligiösen Dialogs nachdenken, über jüdisch-christliche Beziehungen oder über die Gottesbilder, die uns leiten. „Die großen Fragen bleiben“, sagt Mareike Mengel.
„Wir müssen konkret vermitteln können, wozu Kirche da ist.“
Die Realität in den Gemeinden scheint fern von solchen Fragen. Hier geht es um Gebäudestrategien, um Gemeindevereinigungen oder Gemeindegliederzahlen. Doch Mareike Mengel sieht das nicht als Einschränkung. Vielmehr sei es die Gelegenheit, mehr Gemeindeaufbau zu wagen. Die Kirche darf ihren Lebensweltbezug nicht verlieren und braucht eine starke Stimme. Sie müsse Haltung beziehen, aber nicht glauben, dass es einfache Antworten gibt, sagt sie, auch mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse. Stattdessen müsste die Kirche Räume eröffnen, in denen Menschen sein können und die sie gestalten können, wie sie diese benötigen. „Als Kirche haben wir einen Segen zu bieten und eine starke Begleitung durch die großen Fragen des Lebens hindurch“, glaubt sie.
Was das in der Praxis bedeutet, kann man in Eidinghausen-Dehme erleben. Auf der einen Seite muss die Gemeinde sich vom Jochen-Klepper-Haus trennen; auf der anderen steigen die Teilnehmendenzahlen bei Gemeindeaktivitäten oder in den traditionell kreativen Gottesdiensten, wie dem Handballgottesdienst, den Gemeindepädagoge Uwe Streicher und Pfarrer Wolfgang Edler ins Gespräch einwerfen. Mareike Mengel möchte noch andere Wege finden, um auf die Menschen zuzugehen. Für einen Kneipengottesdienst in der Kurstadt sucht sie noch eine passende Lokalität. Aktionen wie „Einfach heiraten“ oder die Mitarbeit in der PopUp-Kirche im Ev. Kirchenkreis Vlotho gehören für sie natürlich dazu. Auch wird die Kirche bereits offener und internationaler, in Eidinghausen-Dehme nicht zuletzt durch die Kontakte mit der Ev. Kirche am La Plata zwischen Argentinien, Uruguay und Paraguay. Von dort sind bereits zum zweiten Mal junge Menschen zum Freiwilligendienst in die Gemeinde gekommen. Demnächst wird auch sie selbst dorthin reisen können, freut sich Mareike Mengel.
Musterlösungen könne es für die Kirche in einem so vielfältigen Land wie Westfalen nicht geben, denkt Mareike Mengel. Zu vielfältig seien die Vorraussetzungen und Erwartungen der Menschen schon in den einzelnen Orten. Eine Leitlinie sieht sie dennoch, in der Jahreslosung 2024 aus dem ersten Korintherbrief, die sie sich als Leitvers für ihre Ordination ausgesucht hat: „Alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen.“
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