Bericht aus Togo

Erstellt am 23.02.2018

Laura Ellermann aus Dehme berichtet von ihrem Freiwilligenjahr

 

Laura Ellermann (19) aus Dehme ist seit vielen Jahren als Mitarbeiterin in unserer Kinder- und Jugendarbeit tätig. Derzeit absolviert sie ein Freiwilligenjahr in Togo. Wir haben sie über ihre Eindrücke und Erfahrungen nach einem halben Jahr gefragt.

Was machst Du in Togo und wo genau bist du da?
In Togo lebe und arbeite ich momentan in einer Stadt Namens Atakpamé.  Sie liegt 2,5 Autostunden von der Hauptstadt Lome entfernt in der Region "Plateaux". Atakpamé ist jedoch keine Großstadt und eher kleiner, sie wird auch "die Stadt der sieben Hügel" genannt und liegt auf ein paar Hügeln verteilt. In Atakpamé arbeite ich im Jugendzentrum des YMCA  (=CVJM: christlicher Verein Junger Menschen) in der Kinder- und Jugendarbeit.

Wie kam es, dass Du nach Togo gegangen bist?
Ich habe mich schon für eine längere Zeit dafür interessiert nach dem Abitur ein Volontariat zu machen, da ich mir einerseits über meine Studienwahl noch nicht im Klaren war und mich andererseits gerne entwicklungspolitisch engagieren bzw. mich für Menschen einsetzen wollte. Afrika hat mich da einfach schon länger interessiert. Auf die freie Stelle im YMCA Togo (die vom CVJM Deutschland ausgeschrieben war) wurde ich jedoch nur zufällig aufmerksam, nachdem eine vorherige Bewerberin abgesprungen war. Die Stelle passte gut zu mir, da sie mein Interesse an Afrika, der französischen Sprache und der Kinder und Jugendarbeit, in der ich mich schon vor meinem Volontariat engagiert habe. Somit habe ich mich beworben und wurde zum Glück auch direkt angenommen. Trotz eines Anfangs etwas mulmigen Gefühls traf ich die Entscheidung ein Jahr in  Togo zu verbringen.

Wie wohnst Du in Togo?
Ich wohne bei einer Gastfamilie. Sie besteht aus meinen Gasteltern mit ihrer vierzehnjährigen Tochter Gracia und zwei weiteren Jungs, Roger 18 und Malik 14, die afrikatypisch nicht die Kinder von meinen Gasteltern, sondern von Verwandten sind und mit im Haus wohnen. Meine Gastfamilie ist wirklich sehr nett, meine Gastmutter kann sehr gut die lokalen Gerichte kochen. Ich habe mich bei ihnen wirklich gut eingelebt und kann meine eigenen Aufgaben übernehmen. Obwohl die Familie eher reicher ist und sich auch einigen Luxus wie zum Beispiel ein Auto leisten kann, gibt es leider kein fließendes Wasser in unserem Haus. Ich dusche mich somit mit einem Eimer, der aus einer Tonne gefüllt wird, die Toilette steht in einem Verschlag hinter dem Haus. Das fand ich zuerst gewöhnungsbedürftig, komme nun aber erstaunlich gut klar.

Was gehört zu Deinen Aufgaben?
Die Arbeit im YMCA ist abwechslungsreich und ich habe viele verschiedene Aufgaben.

Die größte von Ihnen sind Animationen . Diese finden nachmittags im Jugendzentrum und an einer Schule statt. Wir spielen Großgruppenspiele, tanzen und machen Stationsspiele mit den Kindern, die hauptsächlich im Grundschulalter sind. Ein wichtiger Teil der Animation ist auch der Bildungsteil in  dem wir mit den Kindern über Themen wie Umwelt, Hygiene oder Gesundheit reden, oder auch eine Bibelgeschichte erzählen. Diese Animationen plane ich gemeinsam mit einer Mitvolontärin und  wir führen sie dann mit den nationalen Ehrenamtlichen durch. Seit neuestem arbeiten wir auch noch im Kindergarten, um dort mit den Kindern zu spielen und zu basteln. Neben der Animation sind der Deutschunterricht und Deutschclubs eine unserer Aufgaben im YMCA.  Für meinen Deutschclub gehe ich ans städtische Gymnasium und lerne mit den Oberstufenschülern neue Vokabeln, Lieder, Gedichte und Neues über die deutsche Kultur. Auch in den sogenannten Lokalunionen des YMCAs arbeiten wir mit, um ihnen zu helfen Ideen zu finden die Jugendliche ansprechen.  Ein anderer großer Punkt sind unsere Projekte. Wir können unsere eigenen Ideen, um die Arbeit im YMCA und auch seine Sichtbarkeit zu verbessern, einbringen.  Dazu haben wir einige Ideen entwickelt, wie zum Beispiel die Außenmauer neu zu streichen und eine Kinderbibelwoche zu veranstalten, oder auch einfach neue Mülleimer anzuschaffen. Da es mit der Finanzierung jedoch schwierig ist, haben wir auch beschlossen, Zwecks unserer Projekte in Deutschland Spenden für den YMCA zu sammeln.

 

Wie ist das Leben in Togo?
Das Leben in Togo ist auf jeden Fall erstmal sehr anders als in Deutschland. Mittlerweile, nach fast 6 Monaten, habe ich mich aber schon so sehr eingewöhnt, dass ich vieles schon nicht mehr bemerke. Ich kann aber mal ein paar allgemeine Eindrücke nennen:

Frauen die monströsen Schalen auf dem Kopf balancieren, Autos die bis oben hin vollgestopft sind und laut hupen, Hitze, einfache Häuser, fettiges Essen, bunte Stoffe, laute und turbulente Straßen und Kirchen, Motorradtaxis, die sich durch den Verkehr schlängeln, große und bunte Märkte ...

Die Menschen sind generell sehr offen, unglaublich hilfsbereit und gastfreundlich gegenüber allen Menschen. Das finde ich sehr beeindruckend. In Tanz und Gesang zeigt sich viel laute Lebensfreude.

So könnte man es auch beschreiben:
Verschwitzt, unglaublich, herausfordernd, einfach, bunt, risikoreich, gemütlich.

 

Wie hast Du in Togo Weihnachten verbracht?
Auch Weihnachten war hier so ganz anders als Zuhause. Zuerst einmal gibt es hier keine wirkliche Vorweihnachtszeit und das Fest wird nicht so groß gefeiert. Nur im YMCA haben wir eine große Aktion namens "Weihnachten für Kinder" in dieser Zeit gestartet.

Die Feier findet am 25. statt, also konnte ich mich am 24. gemütlich und für mich selbst damit befassen mit meiner Familie zu skypen. Das Weihnachtsfest haben meine Gastgeschwister und ich dann damit eingeläutet draußen zu schlafen. Die Hauptbeschäftigung an diesem Tag war dann das Kochen von unglaublichen Mengen. Die kleine Bescherung fand Abends statt, dazu haben meine Gastschwester und ich einen Tanz eingeübt und die Jungen Sketche aufgeführt. (Das ist keine togoische Tradition, sondern diente der Auflockerung und dem Spaß in der Familie. Aber vielleicht zeigt gerade das, dass es hier kaum feste Weihnachtsrituale gibt). Obwohl ich also die deutschen Traditionen und den Weihnachtsgottesdienst wie in Deutschland vermisst habe, war es alles in allem ein wirklich schönes Fest. Die deutsche Version gab es dann gemeinsam mit unseren Mitvolontären am 27. Somit lässt sich sagen: Ich hatte viele verschiedene tolle Weihnachtsmomente hier in Togo.

Was hat Dich bisher in Togo am meisten überrascht?
Das ist wirklich eine schwierige Frage, neben vielen Sachen wie der Tatsache als Weiße sehr stark aufzufallen und wie viele Personen und/oder Ziegen auf ein Motorrad passen, gibt es eine Sache, die ich besonders überraschend fand. Hier gibt es eine Regenzeit und eine Trockenzeit... Ich dachte wenn es trocken ist müsste es heißer sein, dies ist jedoch nicht der Fall. Die Trockenzeit ist sozusagen der Winter und ziemlich "kalt" ... Sehr überraschend für mich selbst auch, ich kann jetzt schon bei 25 Grad und leichtem Wind frieren.

Was vermisst Du?
Auch wenn es vieles gibt, was ganz schön wäre hier zu haben wie eine Dusche, fließendes Wasser, abwechslungsreiches deutsches Essen oder eine Waschmaschine  (ohne dauert das Waschen 3 Stunden), ist es doch nicht das, was ich am meisten vermisse, sondern meine Familie und Freunde.

In einer größeren Gemeinschaft zusammen zu sein, ob nun zuhause, unterwegs mit Freunden oder in den Gruppen der Gemeinde...

Kannst Du anderen Jugendlichen empfehlen, ein solches Jahr zu machen?
Definitiv Ja!
Auch wenn man hier vor einigen Herausforderungen steht und natürlich nicht immer alles so rosig ist, lohnt sich diese Erfahrung doch. Ich merke wie ich mich nicht nur sprachlich, sondern auch persönlich weiterentwickle, mehr über mich selbst lerne, eigenständiger werde, aber auch den Umgang mit anderen Kulturen lerne.

Auch wenn man vorher Angst hat ganz allein von Zuhause in ein weit entferntes Land zu gehen ist es doch so, dass ich hier in Togo Erfahrungen mache, die ich und keinen Preis missen möchte. Egal ob es nun Afrika ist oder ein anderes Land, über ein Volontariat nachzudenken würde ich jedem ans Herz legen.

Was wirst Du aus Togo vermissen, wenn Du wieder in Deutschland bist?
Ich glaube ich werde fast alles vermissen, auch die Sachen die ich jetzt eher als anstrengend empfinde wie zum Beispiel die mit teilweise 9 Personen vollgestopft en PKW.

Aber auch hier glaube ich, sosehr man auch sein Lieblingsgericht (es heißt Fufu) oder ähnliches vermissen kann, sind es doch die Menschen die ich kennen und lieben gelernt habe, die mir am Meisten fehlen werden. Sei es meine nette und lustige Gastfamilie, das Animations Team oder auch die Kinder die zur Animation kommen und die man einfach ins Herz schließen muss.

 

Vielen Dank Laura für die Einblicke in das Jahr in Togo! Wir wünschen Dir noch eine spannende und gute Zeit und Gottes Segen für Dich und Deine Arbeit!

 

Wenn Sie mit Ihrer Spende die Arbeit von Laura und dem CVJM in Togo unterstützen möchten, ist dies über unser Gemeindebüro möglich.

 

Uwe Streicher